Der Standard der baubiologischen Messtechnik besteht
weiterhin aus den drei bewährten Säulen:
- A (Physik: Felder, Wellen, Strahlen),
- B (Chemie: Wohngifte, Schadstoffe, Raumklima)
- C (Mikrobiologie: Pilze, Bakterien, Allergene)
Bei Punkt A 1 geht es um
elektrische Wechselfelder. Sie sind Folge der in Installationen, Kabeln,
Wänden, Bauteilen oder Geräten anliegenden elektrischen Spannung. Gemessen wird - wie
immer - die niederfrequente elektrische Feldstärke in Volt pro Meter und die
Körperspannung des elektrisch isoliert im Bett liegenden Menschen in Millivolt, zudem
werden die dominierende Frequenz in Hertz und auffällige Oberwellen bestimmt. Neu für die Baubiologie ist die potentialfreie Messung der Feldstärke.
Wurde die Feldstärke bisher in Anlehnung an die Computernorm TCO nur erdbezogen gemessen,
also bewusst in Anwesenheit des Menschen im Feldgeschehen, so kann nun in Anlehnung an
DIN-Normen und die Elektrosmogverordnung auch erdfrei -besser gesagt: potentialfrei -
ermittelt werden, unter bewusster Umgehung des Menschen im Feldgeschehen. Jede Methode hat
seine Möglichkeiten und Grenzen, und beide ergänzen sich, machen die Messung
elektrischer Felder noch ein Stück sicherer, speziell wenn es um elektrisch leitfähige
Flächen in Körpernähe geht, z.B. Abschirmmaßnahmen im Bett oder der Bettumgebung. Die
Richtwerte wurden um die der potentialfreien Methode ergänzt.
Punkt A 2 des Standards befasst
sich mit magnetischen Wechselfeldern. Diese sind die Folge von fließendem
Strom z.B. in Installationen, Kabeln, Geräten, Motoren, Transformatoren, Frei- und
Erdleitungen, Hochspannungstrassen oder elektrifizierten Bahnstrecken. Gemessen wird wie
bisher die niederfrequente magnetische Flussdichte in Nanotesla, und zwar - das ist neu - differenziert nach Netzstrom (50 Hz) und Bahnstrom (16,7 Hz),
jeweils mit Langzeitaufzeichnung, Bestimmung der dominierenden Frequenz und auffälliger
Oberwellen. Neu ist zudem die baubiologische
Bewertung von Langzeitaufzeichnungen, es gilt nicht mehr der Mittelwert plus 2 Sigma,
sondern das 95. Perzentil.
Punkt A 3, die
elektromagnetischen Funkwellen ausgehend von Sendern, Radio, Fern- sehen,
Militär, Radar, Daten-, Bündel-, Flug- und Richtfunk und der modernen Mobiltelefonnetze
sowie ihrer kleinen Brüder, der schnurlosen Telefon- und Netzwerktechniken. Gemessen wird
nach wie vor die hochfrequente elektromagnetische Strahlungsdichte in Mikrowatt pro
Quadratmeter mit zusätzlicher Bestimmung der niederfrequenten Signale (Pulsung,
Periodizität, Modulation) und - das ist neu - der
dominierenden Funkdienste.
Neu ist auch der Abschied von der
Forderung nach Unterscheidung zwischen gepulsten und ungepulsten Funktechniken bei den
Richtwerten, es werden alle nun in einer Kategorie bewertet.
Die moderne Funkerei wird zunehmend komplexer und
komplizierter. Heute geht es nicht mehr allein um 'reinrassige' periodische Pulsungen wie
beim Handy, bei DECTSchnurlosen, WLAN-Internetzugängen, Bluetooth oder Radar. Neue
Funktechniken zeigen zwar teilweise auch gewisse Pulsstrukturen, sogar mehrere
gleichzeitig, z.B. UMTS, aber nicht in dem bisherigen Sinne von eindeutigem 'an...aus',
'all or nothing', und das schon gar nicht immer, sondern nur bei bestimmten
Betriebszuständen.
UMTS funkt außergewöhnlich breitbandig, und in dieser
Breitbandigkeit verstecken sich je nach Situation hunderte bis tausende
Einzelaktivitäten, eine spezielle Überforderung des Organismus auch ohne klassische
Pulsung, vielleicht sogar gefährlicher als Pulsung? Erste baubiologische Erfahrung und
wissenschaftliche Forschungsresultate deuten darauf hin. Was kommt da noch auf uns zu? Wie
sollen die periodischen Pulsstrukturen beim neuen Tetra eingeordnet werden? In
Bereitschaft sind es andere als bei Verkehrslast. Ist das neue digitale Fernsehen DVB
unkritischer als das neue digitale Radio DAB, weil ersteres im klassischen Sinne unpepulst
und zweiteres eindeutig gepulst ist? Was ist mit den ganz neuen Funktechniken wie WiMax
und die anderen, die in den Startlöchern stehen?
Wie ist die Pulsung zu bewerten? Sie kam mit
den neuen Mobilfunktechniken in unsere Lebensräume und wirkt auf und in unsere Körper
ein. Immerhin ist für die Erkenntnis, dass biologische Informationsübertragungen in
unserem Körper gepulst funktionieren, der Nobelpreis vergeben worden. Zellen sind in
ständiger Kommunikation miteinander, sie tauschen nonstop lebenswichtige Informationen
aus. Das machen sie mit feinsten elektromagnetischen Signalen und über Ionenaustausch an
den Zellmembranen. Diese Ionen werden gepulst durch Ionenkanäle weitergeleitet. Wie
biologisch störend ist die technische Pulsfrequenz des Funks? Die biologische
Weiterleitung durch Ionenkanäle funktioniert in Frequenzbereichen bis etwa 400 Hertz. Die
Wissenschaft macht klar, dass die Frequenzen, mit der Zellen kommunizieren, zwischen 10
und 1000 Hz liegen. Das RWE veröffentlicht bereits 1984, dass Nervenbahnen die
Fernmeldestromkreise des Organismus seien und man sie als digitale Übertragungskanäle
ansehen dürfe, dabei vollziehe sich die Informationsübermittlung durch Impulse mit
Frequenzen bis zu 1000 Hz.
Der untere baubiologische
Richtwert 'keine Auffälligkeit' entspricht nach wie vor dem sensiblen Wert, der immer
schon für die gepulste Strahlung galt, ein hohes Maß an Vorsorge. Der
obere Richtwert 'extrem' entspricht nun jenem, der vorher für die ungepulste Strahlung
galt. Das Mittelfeld 'schwach' und 'stark' wurde entsprechend angepasst. Die Pulsung und
jede Art von Periodizität bleibt beim Funk ein besonderes Problem. Deshalb die
Aufforderung bei den neuen Richtwerten: Gepulste bzw. periodische Signale (Mobilfunk,
DECT, WLAN...) sollten speziell bei den stärkeren Auffälligkeiten kritischer und
ungepulste bzw. nichtperiodische Signale speziell bei den schwächeren Auffälligkeiten
großzügiger bewertet werden. Ich würde gern noch hinzufügen: Das gilt um so mehr, je
niederfrequenter, dynamischer und steilflankiger der periodische Takt ausfällt.
Wenn mehrere Funkdienste, z.B. GSM-Mobilfunk plus
UMTS-Mobilfunk plus Radio plus Fernsehen plus Nachbars DECT plus Untermieters WLAN...
zusammenkommen, dann sollte das, so meine ich, beim baubiologischen Gesamteindruck
entsprechend gewürdigt werden. Ich würde dann eine Kategorie kritischer bewerten, z.B.
bei mehreren schwachen Auffälligkeiten nach stark bzw. von stark nach extrem. Jede
Situation zeigt sich anders und bedarf einer sachverständigen und individuellen
Schlusskommentierung. Ich erinnere daran, auch wenn es nicht im Standard steht, dass es
bei Funkmessungen notwendig sein kann, Langzeitaufzeichnungen durchzuführen. Nicht jeder
Sender funkt immer und wenn, dann nicht immer gleich stark. Wie wissen wir, ob das
DECT-Signal nach Nachbars Dauertelefonat und Einlegen des Hörers in die Ladestation nicht
wieder verschwindet, weil er ein EcoMode-DECT hat ? Wie wissen wir, ob das WLAN-Signal ein
dauerhaftes ist oder der Untermieter nur kurzfristig mit dem Notebook im Internet surft ?
Elektrische Gleichfelder finden
wir bei Punkt A 4, die Elektrostatik durch Synthetikfasern und
Kunststoffoberflächen sowie Bildschirme. Gemessen wird die statische elektrische
Oberflächenspannung in Volt sowie die Entladezeit in Sekunden. Neues gibt es nur bei den Entladezeiten, aber bitte nicht
mit der Stoppuhr überprüfen, zur Elektrostatikmessung gehört neben guten Geräten auch
Erfahrung und etwas Gefühl: Materialien, die sich nach Provokation in einem Zeitraum von unter etwa 10 Sekunden wieder auf Normalwerte entladen sind günstiger zu bewerten als andere, die dafür über 1
Minute brauchen, letztere halten ihr Potential teilweise - je nach Situation - über
Stunden.
A 5, Magnetische Gleichfelder,
die Magnetostatik durch magnetisierte Metallteile, Baumasse, Stahlträger,
Armierungen, Lautsprecherboxen, Geräten, Federkernmatratzen... oder Gleichstrom von
Straßenbahnen, Photovoltaikanlagen... Gemessen wird die Erdmagnetfeldverzerrung
einerseits beim Metall - und das ist aktuell geändert - als räumliche
Flussdichteabweichung in Mikrotesla pro Meter und beim Gleichstrom - wie bisher - als
zeitliche Flussdichteschwankung in Mikrotesla sowie der Kompassabweichung in Grad. Bei der räumlichen Flussdichteabweichung ist also ein Gradient
eingezogen. Entsprechend wurden die Richtwerte angepasst.
Punkt A 6, hier geht es um
Radioaktivität und Radon von Baumasse, Fliesen, Schlacken, Altlasten, Einrichtungen,
Bodenstrahlung, Umwelt... Gemessen wird - wie immer - die radioaktive
Äquivalentdosisleistung in Nanosievert pro Stunde bzw. im Vergleich mit der ungestörten
Umgebung in Prozent sowie die Radonkonzentration in Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Nur die Richtwerte für Radon wurden dezent modifiziert.
Zu Punkt A 7 gehören das
Erdmagnetfeld und die Erdstrahlung mit ihren lokal auffälligen
geologischen Störungen durch z.B. terrestrische Verwerfungen, Spalten, Wasser... Gemessen
werden die Abweichungen vom ungestörten Hintergrund nach wie vor magnetisch mit
3D-Magnetometern in Nanotesla und radioaktiv (Gamma- bzw. Neutronenstrahlung) mit
Szintillationszählern und/oder Neutronendetektoren in Prozent.
Zzu A 8, den Schallwellen, dem
Hör-, Infra- und Ultraschall, den Schwingungen und Vibrationen. Zu diesem
Standardpunkt wird immer mehr Erfahrung zusammengetragen, aber es gibt nach wie vor keine
baubiologischen Richtwerte.
Standardpunkt B 1, das
Formaldehyd und andere gasförmige Stoffe wie Ozon, Chlor, Stadt- und
Industriegase, Erdgas, Kohlenmonoxid und Stickstoffdioxid aus Lacken, Klebern,
Spanplatten, Möbeln, Geräten, Einrichtungen, Lecks, Verbrennungen, Abgasen... Die Maßeinheit wurde geändert: nicht mehr parts per million
sondern nun Mikrogramm pro Kubikmeter. Entsprechend wurde der Richtwert für Formaldehyd korrigiert, er ist
dabei nun noch etwas empfindlicher geworden. Für die anderen Stoffe gibt es nach wie vor
noch keine baubiologischen Werte.
Standardpunkt B 2, die
Lösemittel und andere leicht- bis mittelflüchtige Schadstoffe wie
Aliphaten, Alkohole, Aromaten, Ester, Ether, Glykole, Halogenkohlenwasserstoffe,
Isocyanate, Phenole, Siloxane, Terpene und andere organische Verbindungen (VOC) aus
Farben, Lacken, Klebern, Kunststoffen, Baumaterialien, Spanholz, Möbeln, Einrichtungen,
Beschichtungen, Pflegemitteln... Die Messung bzw. Laboranalyse wie zuvor in Mikrogramm pro
Kubikmeter. Die Richtwerte sind geblieben, sie gelten für die Summe aller VOC.
Für Einzelsubstanzen gibt es noch keine baubiologischen Vorschläge. Allergisierende,
reizende und geruchsintensive Schadstoffe oder Stoffgruppen sind kritischer zu bewerten.
Besonders gefährliche oder gar krebserregende Einzelstoffe wie z.B. Benzol sollten
möglichst gar nicht nachweisbar sein und wenn, dann nur in Spuren.
Punkt B 3, die Pestizide und
andere schwerflüchtige Schadstoffe wie Biozide, Insektizide, Fungizide,
Holzschutzmittel, Pyrethroide, Flammschutzmittel, Weichmacher, PCB, PAK..., eingesetzt im
Holz-, Leder-, Flamm- und Teppichschutz, in Klebern, Kunststoffen, Dichtungen,
Beschichtungen, bei Schädlingsbekämpfungen, Kammerjägern... Die Messung bzw.
Laboranalyse auch hier weiter in Milligramm pro Kilogramm beim Material (Holz, Staub...)
und Nanogramm pro Kubikmeter bei der Luft. Bitte beachten: Die
Richtwerte für die Summe der schwerflüchtigen Wohngifte wurden teilweise leicht
verändert und um einige neue - auch Einzelsubstanzen - ergänzt. Hier wie
bei den leichtflüchtigen gilt: Besonders gefährliche oder krebserzeugende Einzelstoffe
sollten wieder möglichst überhaupt nicht nachweisbar sein und wenn, dann lediglich in
Spuren.
Punkt B 4, Schwermetalle
wie Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Quecksilber oder Zink und andere Metalle, anorganische
Metallverbindungen und Salze. Zu finden im Holzschutz, in Baustoffen, Geräten, PVC,
Farben, Glasuren, Sanitärrohren, Altlasten, in der Industrie, Medizin (Zähnärzte, die
mit Amalgam arbeiten und sowohl Quecksilberpartikel als auch Quecksilberdampf freisetzen),
Umwelt oder als Folge von Baufeuchte. Ermittelt wird wie immer in Milligramm pro Kilogramm
(Material, Staub...), eventuell auch der Quecksilberdampfgehalt in der Atemluft in
Mikrogramm pro Kubikmeter oder Blei im Trinkwasser (alte Bleirohre) in Mikrogramm pro
Liter. Richtwerte gibt es seitens der Baubiologie noch keine, aber gerade bei den
Schwermetallen sollte klar sein, dass die niedrigste Dosis die beste ist, das gilt wieder
besonders für die ganz kritischen wie Blei oder Quecksilber. Am Rande sei bemerkt, dass
freigesetztes Quecksilber oder Quecksilberdampf aus den toxischen Zeitbomben namens
Amalgamfüllungen nach wie vor zu den größten Schwermetallproblemen zu zählen ist.
Viele durch diesen Sondermüll auf Jahre und Jahrzehnte gesundheitlich und speziell
neurologisch vorgeschädigte Menschen entwickeln eine hohe Sensibilität für
elektromagnetische Felder oder andere Schadstoffe sowie Pilze.
Der Standardpunkt B 5
umschreibt die Gruppe der Partikel und Fasern, Aerosole und Schwebstoffe.
Hierzu gehören Feinstaub, die gefährlichen Asbest- und andere Mineral- fasern, Rauch,
Ruß... aus Bau- und Dämmstoffen, Lüftungs- und Klimaanlagen, Geräten, Tonern,
Umwelt... Gemessen werden die Partikel- bzw. Faserzahlen, -arten und -größen.
Prinzipiell gilt, und das ist bei den Richtwerten neu beschrieben, dass die Partikel- und
Fasernkonzentrationen in Räumen nicht höher als die übliche Hintergrundkonzentration im
Freien ausfallen sollten, das gilt speziell für besonders gefährliche bzw.
krebserzeugende Partikel und Fasern wie Asbest. Im SBM-2000 standen noch Luftwerte für
Asbest: <100 Asbestfasern pro Kubikmeter war keine Auffälligkeit, 100-200 schwach, 200-500 stark,> 500 extrem auffällig.
Die Richtwerte wurden im SBM-2003 und auch in diesem SBM-2008
nicht weitergeführt, da derart eindeutig krebserregende Faktoren im Innenraum prinzipiell
inakzeptabel sind. In Innenräumen liegt der Luftwert nach unserer Erfahrung meist unter
100, oft deutlich, ist somit mit den gängigen Analyseverfahren kaum bis gar nicht mehr
nachweisbar. Das bedeutet für mich: Jeder Nachweis, auch der geringste, sollte uns zur
Quellensuche und sachverständigen Beseitigung beflügeln.
Punkt B 6, das Raumklima.
Es geht um Messungen von Luft- und Oberflächentemperatur (Grad), Luft- und
Materialfeuchte (Prozent relativ und absolut), Sauerstoff (Volumenprozent), Kohlendioxid
(parts per million), Luftdruck (Millibar), Luftbewegung (Meter pro Sekunde) und Luftionen
(pro Kubikzentimeter), die Luftelektrizität (Volt pro Meter) und die Festellung von
Gerüchen und der Luftwechselrate. Ursachen: Feuchteschäden, Baufeuchte, Baustoffe,
Lüftung, Heizung, Atmung, Strahlung, Elektrostatik, Staub... Die Kohlendioxid-
Richtwerte wurden etwas höher angelegt, die anderen sind unverändert.
Es geht weiter mit der Mikrobiologie,
den oft so kritischen Kleinstlebewesen, das sind beim Standardpunkt
C 1 die Schimmelpilze, bei C 2 die Hefepilze
und bei C 3 die Bakterien, die sich manchmal
als Folge von Feuchte- und Nässeschäden, Baumängeln, Sanierungsfehlern, Lüftungs- und
Hygieneproblemen, Klimaanlagen... massiv vermehren und verbreiten oder in
Lebensmittelbereichen, Abfällen, manchen Geräten wie Luftbefeuchtern, einigen
Wasseraufbereitungen und sanitären Einrichtungen zu finden sein können.
Für Schimmelpilze gelten die bewährten baubiologischen
Anforderungen, hier in leicht modifizierter Form: Es darf keine signifikanten
Innenraumquellen geben. Die Pilzzahlen in der Raumluft sollten unter den im Freien
üblichen bzw. im Bereich von unbelasteten Vergleichsräumen liegen. Die Pilzarten drinnen
sollten sich nicht wesentlich von jenen draußen bzw. in unbelasteten Vergleichsräumen
unterscheiden.
Speziell krankmachende und toxinbildende Schimmelpilze wie
Aspergillus oder Stachybotrys, sollten in Häusern möglichst gar nicht nachweisbar sein.
Jedem Verdacht oder Hinweis auf mikrobiellen Befall (sichtbares Wachstum - je größer
desto kritischer, Feuchte-indizierende Keime, Bauschäden, dauerhaft hohe Luft- und
Materialfeuchte, kühle Flächen - Wärmebrücken, Gerüche, Gebäudeanamnese,
Gesundheitsbeschwerden...) soll nachgegangen werden. Für eine solide Erfüllung dieser
Anforderungen steht der Leitsatz: Bei der Quellensuche steigert die Kombination mehrerer
Diagnosemethoden und das Zusammenführen verschiedener Ergebnisse und Eindrücke die
Sicherheit und macht Bewertungen erst sinnvoll, z.B. die Proben von Luft, Flächen, Staub,
Material und Hohlräumen mit Kultivierung auf Agars, die mikroskopische Analyse nicht
kultivierbarer Pilze und -fragmente sowie der Nachweis von Stoffwechselprodukten wie MVOC,
Mykotoxine, Glukane.
Eigentlich erübrigen sich nach diesen baubiologischen
Anforderungen und Leitsätzen weitere Richtwerte. Die folgenden Kriterien sollten daher
eher als Hilfestellung zur Quellensuche verstanden werden, nicht oder weniger als
biologisch-gesundheitliche Vorsorgewerte. Die folgenden Angaben werden deshalb auch nicht
bei den Richtwerten, sondern bei den zukünftigen Randbedingungen und Ergänzungen zu
finden sein: Auffälligkeit keine schwache starke extreme
Je nach klimatischen, geographischen und raumhygienischen
Gegebenheiten können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte für Luftbelastungen
herangezogen werden:
| Auffälligkeit |
keine |
schwache |
starke |
extreme |
| Pilze (KBE) pro Kubikmeter Luft, absolut
/m³ |
< 200 |
200 - 500 |
500 - 1000 |
> 1000 |
Diese Angaben gelten für die absoluten Schimmelpilzzahlen in
der Raumluft. Sie gelten als Orientierung bei typischen Außenluftkonzentrationen unter
500-1000/m³.
| Auffälligkeit |
keine |
schwache |
starke |
extreme |
| Pilze (KBE) pro Kubikmeter Luft, relativ
/m³ |
< |
100 |
100 - 500 |
> 500 |
Diese Angaben gelten für die relativen Pilzzahlen im
Vergleich zur Außenluft und/oder anderen unbelastete(re)n Räumen, "<" =
weniger als draußen oder in Referenzräumen, 100="ähnlich" viele oder bis 100
mehr, 100-500 mehr, über 500 mehr. Je nach Staubaufkommen, Oberflächenstruktur und
Raumhygiene können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte für Oberflächen
herangezogen werden: Pilze (KBE) pro Quadratdezimeter Fläche /dm² <20 20-50 50-100>< = weniger als
draussen oder in Referenzräumen, 100 = ähnlich viele oder bis 100 mehr, 100-500 mehr,
über 500 mehr.
Je nach Staubaufkommen, Oberflächenstruktur und Raumhygiene
können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte herangezogen werden:
| Auffälligkeit |
keine |
schwache |
starke |
extreme |
| Pilze (KBE) pro Quadratdezimeterfläche |
< 20 |
20-50 |
50-100 |
>100 |
Diese Angaben gelten für Sedimentationsflächen unter
alltäglichen, regelmäßig gereinigten Bedingungen.
Folgende Feuchtewerte begünstigen das Pilz- bzw.
Bakterienwachstum oder machen es überhaupt erst möglich:
| Auffälligkeit |
keine |
schwache |
starke |
extreme |
| Material-Wasseraktivität in %
aw-Wert |
< 65 |
65-75 |
75-85 |
> 85 |
Die Messung und Bestimmung von kultivierbaren und nicht
kultivierbaren Schimmelpilzen, Schimmelpilzsporen und Pilzbestandteilen erfolgt - wie auch
zuvor - pro Kubikmeter Raumluft, pro Quadratdezimeter Oberfläche bzw. pro Gramm Material
oder Haustaub.
Bei der Analyse der von Schimmelpilzen abgegebenen
Stoffwechselprodukte geht es bei den MVOC, den flüchtigen organischen Verbindungen, um
Nanogramm pro Kubikmeter Luft und bei den Pilzgiften, den Mykotoxinen, um Mikrogramm pro
Kilogramm Staub.
Die Untersuchung der MVOC in der Luft ist nach unserer
Eindrücken mit vielen Unsicherheiten und Fehlermöglichkeiten behaftet, deshalb trauen
wir uns trotz reichlicher Erfahrung und Überlegung hierzu noch keine verbindlichen
baubiologischen Richtwerte zu. Toxinbestimmungen im Hausstaub scheinen schon
vielversprechender, auch wenn bisher längst nicht alle Gifte, die Pilze produzieren,
nachgewiesen werden können.
Für Hefepilze gilt, ähnlich wie beim Schimmel: Hefepilze sollten in der Luft, auf Oberflächen oder in Hygiene-,
Bad-, Küchen- und Lebensmittelbereichen nicht oder kaum nachweisbar sein.
Das gilt speziell für pathogene Hefen wie Candida oder Cryptococcus.
Für Bakterien gilt: Die
Bakterienzahlen in der Raumluft sollten im Bereich oder unter denen der Außenluft bzw.
von unbelasteten Vergleichsräumen liegen. Speziell krankmachende
Keimarten, z.B. Pseudomonas, Aktinomyceten oder Koliforme, sollen in Häusern gar nicht
oder nur minimal nachweisbar sein, weder in der Luft noch auf Materialien, in
Trinkwasser-, Hygiene-, Bad- oder Küchenbereichen. Jedem Hinweis auf eine
Bakterienbelastung (hohe Materialfeuchte, Nässeschäden, Hygiene- und Fäkalienprobleme,
faulige Gerüche, rezidivierende entzündliche Gesundheitsprobleme...) ist nachzugehen.
Bei Schimmelpilzuntersuchungen sollten Bakterien mit einbezogen werden, und umgekehrt, sie
kommen oft gemeinsam vor.
Zzum letzten Standardpunkt C 4,
hier geht es um Hausstaubmilben, Milbenkot oder -stoffwechselprodukte und andere Allergene
wie Pollen, Gräser oder Tierhaare. Hohe Staubmilbenzahlen findet man
häufig bei Wärme und Feuchte, speziell in Betten und Polstern (weil sie sich an
menschlichen Hautschuppen gütlich tun), oft in Verbindung mit Schimmelpilzen oder unter
kritischen Hygienebedingungen. Untersucht wird die Milbenzahl bzw. Exkrementkonzentration
und die von Pollen, Gräsern, Tierhaaren... pro Kubikmeter Raumluft, pro Gramm Staub oder
im prozentualen Vergleich.
Im Anhang des baubiologischen
Standards gibt es noch weitere Faktoren, die es zu beachten gilt,
z.B. die Lichtqualität, Beleuchtungsstärke und UV-Strahlung sowie die
Leitungswasserqualität und die Begutachtung von Haus- und Holzschädlingen.
Literaturquelle: Mitschrift des Vortrags von Wolfgang Maes
anlässlich des VB-Expertenseminars am 17.11.2007 in Fulda-Loheland
Der SBM-2008 wurde inzwischen in englische übersetzt: E_SBM2008_standard.pdf
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