Elektrosmog, Wohngifte, Innenraumschadstoffe,Schimmelpilze, Schallpegelmessung, Radongas

Was ist neu am Standard der baubiologischen Messtechnik (SBM-2008) ?

Der Standard der baubiologischen Messtechnik besteht weiterhin aus den drei bewährten Säulen:
  • A (Physik: Felder, Wellen, Strahlen),
  • B (Chemie: Wohngifte, Schadstoffe, Raumklima)
  • C (Mikrobiologie: Pilze, Bakterien, Allergene)

Bei Punkt A 1 geht es um elektrische Wechselfelder. Sie sind Folge der in Installationen, Kabeln, Wänden, Bauteilen oder Geräten anliegenden elektrischen Spannung. Gemessen wird - wie immer - die niederfrequente elektrische Feldstärke in Volt pro Meter und die Körperspannung des elektrisch isoliert im Bett liegenden Menschen in Millivolt, zudem werden die dominierende Frequenz in Hertz und auffällige Oberwellen bestimmt. Neu für die Baubiologie ist die potentialfreie Messung der Feldstärke. Wurde die Feldstärke bisher in Anlehnung an die Computernorm TCO nur erdbezogen gemessen, also bewusst in Anwesenheit des Menschen im Feldgeschehen, so kann nun in Anlehnung an DIN-Normen und die Elektrosmogverordnung auch erdfrei -besser gesagt: potentialfrei - ermittelt werden, unter bewusster Umgehung des Menschen im Feldgeschehen. Jede Methode hat seine Möglichkeiten und Grenzen, und beide ergänzen sich, machen die Messung elektrischer Felder noch ein Stück sicherer, speziell wenn es um elektrisch leitfähige Flächen in Körpernähe geht, z.B. Abschirmmaßnahmen im Bett oder der Bettumgebung. Die Richtwerte wurden um die der potentialfreien Methode ergänzt.

Punkt A 2 des Standards befasst sich mit magnetischen Wechselfeldern. Diese sind die Folge von fließendem Strom z.B. in Installationen, Kabeln, Geräten, Motoren, Transformatoren, Frei- und Erdleitungen, Hochspannungstrassen oder elektrifizierten Bahnstrecken. Gemessen wird wie bisher die niederfrequente magnetische Flussdichte in Nanotesla, und zwar - das ist neu - differenziert nach Netzstrom (50 Hz) und Bahnstrom (16,7 Hz), jeweils mit Langzeitaufzeichnung, Bestimmung der dominierenden Frequenz und auffälliger Oberwellen. Neu ist zudem die baubiologische Bewertung von Langzeitaufzeichnungen, es gilt nicht mehr der Mittelwert plus 2 Sigma, sondern das 95. Perzentil.

Punkt A 3, die elektromagnetischen Funkwellen ausgehend von Sendern, Radio, Fern- sehen, Militär, Radar, Daten-, Bündel-, Flug- und Richtfunk und der modernen Mobiltelefonnetze sowie ihrer kleinen Brüder, der schnurlosen Telefon- und Netzwerktechniken. Gemessen wird nach wie vor die hochfrequente elektromagnetische Strahlungsdichte in Mikrowatt pro Quadratmeter mit zusätzlicher Bestimmung der niederfrequenten Signale (Pulsung, Periodizität, Modulation) und - das ist neu - der dominierenden Funkdienste.

Neu ist auch der Abschied von der Forderung nach Unterscheidung zwischen gepulsten und ungepulsten Funktechniken bei den Richtwerten, es werden alle nun in einer Kategorie bewertet.

Die moderne Funkerei wird zunehmend komplexer und komplizierter. Heute geht es nicht mehr allein um 'reinrassige' periodische Pulsungen wie beim Handy, bei DECTSchnurlosen, WLAN-Internetzugängen, Bluetooth oder Radar. Neue Funktechniken zeigen zwar teilweise auch gewisse Pulsstrukturen, sogar mehrere gleichzeitig, z.B. UMTS, aber nicht in dem bisherigen Sinne von eindeutigem 'an...aus', 'all or nothing', und das schon gar nicht immer, sondern nur bei bestimmten Betriebszuständen.

UMTS funkt außergewöhnlich breitbandig, und in dieser Breitbandigkeit verstecken sich je nach Situation hunderte bis tausende Einzelaktivitäten, eine spezielle Überforderung des Organismus auch ohne klassische Pulsung, vielleicht sogar gefährlicher als Pulsung? Erste baubiologische Erfahrung und wissenschaftliche Forschungsresultate deuten darauf hin. Was kommt da noch auf uns zu? Wie sollen die periodischen Pulsstrukturen beim neuen Tetra eingeordnet werden? In Bereitschaft sind es andere als bei Verkehrslast. Ist das neue digitale Fernsehen DVB unkritischer als das neue digitale Radio DAB, weil ersteres im klassischen Sinne unpepulst und zweiteres eindeutig gepulst ist? Was ist mit den ganz neuen Funktechniken wie WiMax und die anderen, die in den Startlöchern stehen?

Wie ist die Pulsung zu bewerten? Sie kam mit den neuen Mobilfunktechniken in unsere Lebensräume und wirkt auf und in unsere Körper ein. Immerhin ist für die Erkenntnis, dass biologische Informationsübertragungen in unserem Körper gepulst funktionieren, der Nobelpreis vergeben worden. Zellen sind in ständiger Kommunikation miteinander, sie tauschen nonstop lebenswichtige Informationen aus. Das machen sie mit feinsten elektromagnetischen Signalen und über Ionenaustausch an den Zellmembranen. Diese Ionen werden gepulst durch Ionenkanäle weitergeleitet. Wie biologisch störend ist die technische Pulsfrequenz des Funks? Die biologische Weiterleitung durch Ionenkanäle funktioniert in Frequenzbereichen bis etwa 400 Hertz. Die Wissenschaft macht klar, dass die Frequenzen, mit der Zellen kommunizieren, zwischen 10 und 1000 Hz liegen. Das RWE veröffentlicht bereits 1984, dass Nervenbahnen die Fernmeldestromkreise des Organismus seien und man sie als digitale Übertragungskanäle ansehen dürfe, dabei vollziehe sich die Informationsübermittlung durch Impulse mit Frequenzen bis zu 1000 Hz.

Der untere baubiologische Richtwert 'keine Auffälligkeit' entspricht nach wie vor dem sensiblen Wert, der immer schon für die gepulste Strahlung galt, ein hohes Maß an Vorsorge. Der obere Richtwert 'extrem' entspricht nun jenem, der vorher für die ungepulste Strahlung galt. Das Mittelfeld 'schwach' und 'stark' wurde entsprechend angepasst. Die Pulsung und jede Art von Periodizität bleibt beim Funk ein besonderes Problem. Deshalb die Aufforderung bei den neuen Richtwerten: Gepulste bzw. periodische Signale (Mobilfunk, DECT, WLAN...) sollten speziell bei den stärkeren Auffälligkeiten kritischer und ungepulste bzw. nichtperiodische Signale speziell bei den schwächeren Auffälligkeiten großzügiger bewertet werden. Ich würde gern noch hinzufügen: Das gilt um so mehr, je niederfrequenter, dynamischer und steilflankiger der periodische Takt ausfällt.

Wenn mehrere Funkdienste, z.B. GSM-Mobilfunk plus UMTS-Mobilfunk plus Radio plus Fernsehen plus Nachbars DECT plus Untermieters WLAN... zusammenkommen, dann sollte das, so meine ich, beim baubiologischen Gesamteindruck entsprechend gewürdigt werden. Ich würde dann eine Kategorie kritischer bewerten, z.B. bei mehreren schwachen Auffälligkeiten nach stark bzw. von stark nach extrem. Jede Situation zeigt sich anders und bedarf einer sachverständigen und individuellen Schlusskommentierung. Ich erinnere daran, auch wenn es nicht im Standard steht, dass es bei Funkmessungen notwendig sein kann, Langzeitaufzeichnungen durchzuführen. Nicht jeder Sender funkt immer und wenn, dann nicht immer gleich stark. Wie wissen wir, ob das DECT-Signal nach Nachbars Dauertelefonat und Einlegen des Hörers in die Ladestation nicht wieder verschwindet, weil er ein EcoMode-DECT hat ? Wie wissen wir, ob das WLAN-Signal ein dauerhaftes ist oder der Untermieter nur kurzfristig mit dem Notebook im Internet surft ?

Elektrische Gleichfelder finden wir bei Punkt A 4, die Elektrostatik durch Synthetikfasern und Kunststoffoberflächen sowie Bildschirme. Gemessen wird die statische elektrische Oberflächenspannung in Volt sowie die Entladezeit in Sekunden. Neues gibt es nur bei den Entladezeiten, aber bitte nicht mit der Stoppuhr überprüfen, zur Elektrostatikmessung gehört neben guten Geräten auch Erfahrung und etwas Gefühl: Materialien, die sich nach Provokation in einem Zeitraum von unter etwa 10 Sekunden wieder auf Normalwerte entladen sind günstiger zu bewerten als andere, die dafür über 1 Minute brauchen, letztere halten ihr Potential teilweise - je nach Situation - über Stunden. 

A 5, Magnetische Gleichfelder, die Magnetostatik durch magnetisierte Metallteile, Baumasse, Stahlträger, Armierungen, Lautsprecherboxen, Geräten, Federkernmatratzen... oder Gleichstrom von Straßenbahnen, Photovoltaikanlagen... Gemessen wird die Erdmagnetfeldverzerrung einerseits beim Metall - und das ist aktuell geändert - als räumliche Flussdichteabweichung in Mikrotesla pro Meter und beim Gleichstrom - wie bisher - als zeitliche Flussdichteschwankung in Mikrotesla sowie der Kompassabweichung in Grad. Bei der räumlichen Flussdichteabweichung ist also ein Gradient eingezogen. Entsprechend wurden die Richtwerte angepasst.

Punkt A 6, hier geht es um Radioaktivität und Radon von Baumasse, Fliesen, Schlacken, Altlasten, Einrichtungen, Bodenstrahlung, Umwelt... Gemessen wird - wie immer - die radioaktive Äquivalentdosisleistung in Nanosievert pro Stunde bzw. im Vergleich mit der ungestörten Umgebung in Prozent sowie die Radonkonzentration in Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Nur die Richtwerte für Radon wurden dezent modifiziert.

Zu Punkt A 7 gehören das Erdmagnetfeld und die Erdstrahlung mit ihren lokal auffälligen geologischen Störungen durch z.B. terrestrische Verwerfungen, Spalten, Wasser... Gemessen werden die Abweichungen vom ungestörten Hintergrund nach wie vor magnetisch mit 3D-Magnetometern in Nanotesla und radioaktiv (Gamma- bzw. Neutronenstrahlung) mit Szintillationszählern und/oder Neutronendetektoren in Prozent.

Zzu A 8, den Schallwellen, dem Hör-, Infra- und Ultraschall, den Schwingungen und Vibrationen. Zu diesem Standardpunkt wird immer mehr Erfahrung zusammengetragen, aber es gibt nach wie vor keine baubiologischen Richtwerte.

Standardpunkt B 1, das Formaldehyd und andere gasförmige Stoffe wie Ozon, Chlor, Stadt- und Industriegase, Erdgas, Kohlenmonoxid und Stickstoffdioxid aus Lacken, Klebern, Spanplatten, Möbeln, Geräten, Einrichtungen, Lecks, Verbrennungen, Abgasen... Die Maßeinheit wurde geändert: nicht mehr parts per million sondern nun Mikrogramm pro Kubikmeter. Entsprechend wurde der Richtwert für Formaldehyd korrigiert, er ist dabei nun noch etwas empfindlicher geworden. Für die anderen Stoffe gibt es nach wie vor noch keine baubiologischen Werte.

Standardpunkt B 2, die Lösemittel und andere leicht- bis mittelflüchtige Schadstoffe wie Aliphaten, Alkohole, Aromaten, Ester, Ether, Glykole, Halogenkohlenwasserstoffe, Isocyanate, Phenole, Siloxane, Terpene und andere organische Verbindungen (VOC) aus Farben, Lacken, Klebern, Kunststoffen, Baumaterialien, Spanholz, Möbeln, Einrichtungen, Beschichtungen, Pflegemitteln... Die Messung bzw. Laboranalyse wie zuvor in Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Richtwerte sind geblieben, sie gelten für die Summe aller VOC. Für Einzelsubstanzen gibt es noch keine baubiologischen Vorschläge. Allergisierende, reizende und geruchsintensive Schadstoffe oder Stoffgruppen sind kritischer zu bewerten. Besonders gefährliche oder gar krebserregende Einzelstoffe wie z.B. Benzol sollten möglichst gar nicht nachweisbar sein und wenn, dann nur in Spuren.

Punkt B 3, die Pestizide und andere schwerflüchtige Schadstoffe wie Biozide, Insektizide, Fungizide, Holzschutzmittel, Pyrethroide, Flammschutzmittel, Weichmacher, PCB, PAK..., eingesetzt im Holz-, Leder-, Flamm- und Teppichschutz, in Klebern, Kunststoffen, Dichtungen, Beschichtungen, bei Schädlingsbekämpfungen, Kammerjägern... Die Messung bzw. Laboranalyse auch hier weiter in Milligramm pro Kilogramm beim Material (Holz, Staub...) und Nanogramm pro Kubikmeter bei der Luft. Bitte beachten: Die Richtwerte für die Summe der schwerflüchtigen Wohngifte wurden teilweise leicht verändert und um einige neue - auch Einzelsubstanzen - ergänzt. Hier wie bei den leichtflüchtigen gilt: Besonders gefährliche oder krebserzeugende Einzelstoffe sollten wieder möglichst überhaupt nicht nachweisbar sein und wenn, dann lediglich in Spuren.

Punkt B 4, Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Quecksilber oder Zink und andere Metalle, anorganische Metallverbindungen und Salze. Zu finden im Holzschutz, in Baustoffen, Geräten, PVC, Farben, Glasuren, Sanitärrohren, Altlasten, in der Industrie, Medizin (Zähnärzte, die mit Amalgam arbeiten und sowohl Quecksilberpartikel als auch Quecksilberdampf freisetzen), Umwelt oder als Folge von Baufeuchte. Ermittelt wird wie immer in Milligramm pro Kilogramm (Material, Staub...), eventuell auch der Quecksilberdampfgehalt in der Atemluft in Mikrogramm pro Kubikmeter oder Blei im Trinkwasser (alte Bleirohre) in Mikrogramm pro Liter. Richtwerte gibt es seitens der Baubiologie noch keine, aber gerade bei den Schwermetallen sollte klar sein, dass die niedrigste Dosis die beste ist, das gilt wieder besonders für die ganz kritischen wie Blei oder Quecksilber. Am Rande sei bemerkt, dass freigesetztes Quecksilber oder Quecksilberdampf aus den toxischen Zeitbomben namens Amalgamfüllungen nach wie vor zu den größten Schwermetallproblemen zu zählen ist. Viele durch diesen Sondermüll auf Jahre und Jahrzehnte gesundheitlich und speziell neurologisch vorgeschädigte Menschen entwickeln eine hohe Sensibilität für elektromagnetische Felder oder andere Schadstoffe sowie Pilze.

Der Standardpunkt B 5 umschreibt die Gruppe der Partikel und Fasern, Aerosole und Schwebstoffe. Hierzu gehören Feinstaub, die gefährlichen Asbest- und andere Mineral- fasern, Rauch, Ruß... aus Bau- und Dämmstoffen, Lüftungs- und Klimaanlagen, Geräten, Tonern, Umwelt... Gemessen werden die Partikel- bzw. Faserzahlen, -arten und -größen. Prinzipiell gilt, und das ist bei den Richtwerten neu beschrieben, dass die Partikel- und Fasernkonzentrationen in Räumen nicht höher als die übliche Hintergrundkonzentration im Freien ausfallen sollten, das gilt speziell für besonders gefährliche bzw. krebserzeugende Partikel und Fasern wie Asbest. Im SBM-2000 standen noch Luftwerte für Asbest: <100 Asbestfasern pro Kubikmeter war keine Auffälligkeit, 100-200 schwach, 200-500 stark,> 500 extrem auffällig.

Die Richtwerte wurden im SBM-2003 und auch in diesem SBM-2008 nicht weitergeführt, da derart eindeutig krebserregende Faktoren im Innenraum prinzipiell inakzeptabel sind. In Innenräumen liegt der Luftwert nach unserer Erfahrung meist unter 100, oft deutlich, ist somit mit den gängigen Analyseverfahren kaum bis gar nicht mehr nachweisbar. Das bedeutet für mich: Jeder Nachweis, auch der geringste, sollte uns zur Quellensuche und sachverständigen Beseitigung beflügeln.

Punkt B 6, das Raumklima. Es geht um Messungen von Luft- und Oberflächentemperatur (Grad), Luft- und Materialfeuchte (Prozent relativ und absolut), Sauerstoff (Volumenprozent), Kohlendioxid (parts per million), Luftdruck (Millibar), Luftbewegung (Meter pro Sekunde) und Luftionen (pro Kubikzentimeter), die Luftelektrizität (Volt pro Meter) und die Festellung von Gerüchen und der Luftwechselrate. Ursachen: Feuchteschäden, Baufeuchte, Baustoffe, Lüftung, Heizung, Atmung, Strahlung, Elektrostatik, Staub... Die Kohlendioxid- Richtwerte wurden etwas höher angelegt, die anderen sind unverändert.

Es geht weiter mit der Mikrobiologie, den oft so kritischen Kleinstlebewesen, das sind beim Standardpunkt C 1 die Schimmelpilze, bei C 2 die Hefepilze und bei C 3 die Bakterien, die sich manchmal als Folge von Feuchte- und Nässeschäden, Baumängeln, Sanierungsfehlern, Lüftungs- und Hygieneproblemen, Klimaanlagen... massiv vermehren und verbreiten oder in Lebensmittelbereichen, Abfällen, manchen Geräten wie Luftbefeuchtern, einigen Wasseraufbereitungen und sanitären Einrichtungen zu finden sein können.

Für Schimmelpilze gelten die bewährten baubiologischen Anforderungen, hier in leicht modifizierter Form: Es darf keine signifikanten Innenraumquellen geben. Die Pilzzahlen in der Raumluft sollten unter den im Freien üblichen bzw. im Bereich von unbelasteten Vergleichsräumen liegen. Die Pilzarten drinnen sollten sich nicht wesentlich von jenen draußen bzw. in unbelasteten Vergleichsräumen unterscheiden.

Speziell krankmachende und toxinbildende Schimmelpilze wie Aspergillus oder Stachybotrys, sollten in Häusern möglichst gar nicht nachweisbar sein. Jedem Verdacht oder Hinweis auf mikrobiellen Befall (sichtbares Wachstum - je größer desto kritischer, Feuchte-indizierende Keime, Bauschäden, dauerhaft hohe Luft- und Materialfeuchte, kühle Flächen - Wärmebrücken, Gerüche, Gebäudeanamnese, Gesundheitsbeschwerden...) soll nachgegangen werden. Für eine solide Erfüllung dieser Anforderungen steht der Leitsatz: Bei der Quellensuche steigert die Kombination mehrerer Diagnosemethoden und das Zusammenführen verschiedener Ergebnisse und Eindrücke die Sicherheit und macht Bewertungen erst sinnvoll, z.B. die Proben von Luft, Flächen, Staub, Material und Hohlräumen mit Kultivierung auf Agars, die mikroskopische Analyse nicht kultivierbarer Pilze und -fragmente sowie der Nachweis von Stoffwechselprodukten wie MVOC, Mykotoxine, Glukane.

Eigentlich erübrigen sich nach diesen baubiologischen Anforderungen und Leitsätzen weitere Richtwerte. Die folgenden Kriterien sollten daher eher als Hilfestellung zur Quellensuche verstanden werden, nicht oder weniger als biologisch-gesundheitliche Vorsorgewerte. Die folgenden Angaben werden deshalb auch nicht bei den Richtwerten, sondern bei den zukünftigen Randbedingungen und Ergänzungen zu finden sein: Auffälligkeit keine schwache starke extreme

Je nach klimatischen, geographischen und raumhygienischen Gegebenheiten können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte für Luftbelastungen herangezogen werden:

Auffälligkeit keine schwache starke extreme
Pilze (KBE) pro Kubikmeter Luft, absolut  /m³ < 200 200 - 500 500 - 1000 > 1000

Diese Angaben gelten für die absoluten Schimmelpilzzahlen in der Raumluft. Sie gelten als Orientierung bei typischen Außenluftkonzentrationen unter 500-1000/m³.

Auffälligkeit keine schwache starke extreme
Pilze (KBE) pro Kubikmeter Luft, relativ  /m³    <    100 100 - 500 > 500

Diese Angaben gelten für die relativen Pilzzahlen im Vergleich zur Außenluft und/oder anderen unbelastete(re)n Räumen, "<" = weniger als draußen oder in Referenzräumen, 100="ähnlich" viele oder bis 100 mehr, 100-500 mehr, über 500 mehr. Je nach Staubaufkommen, Oberflächenstruktur und Raumhygiene können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte für Oberflächen herangezogen werden: Pilze (KBE) pro Quadratdezimeter Fläche /dm² <20 20-50 50-100>< = weniger als draussen oder in Referenzräumen, 100 = ähnlich viele oder bis 100 mehr, 100-500 mehr, über 500 mehr.

Je nach Staubaufkommen, Oberflächenstruktur und Raumhygiene können in vielen Fällen folgende Orientierungswerte herangezogen werden:

Auffälligkeit keine schwache starke extreme
Pilze (KBE) pro Quadratdezimeterfläche < 20    20-50 50-100 >100

Diese Angaben gelten für Sedimentationsflächen unter alltäglichen, regelmäßig gereinigten Bedingungen.

Folgende Feuchtewerte begünstigen das Pilz- bzw. Bakterienwachstum oder machen es überhaupt erst möglich:

Auffälligkeit keine schwache starke extreme
Material-Wasseraktivität in %        aw-Wert < 65 65-75 75-85 > 85

Die Messung und Bestimmung von kultivierbaren und nicht kultivierbaren Schimmelpilzen, Schimmelpilzsporen und Pilzbestandteilen erfolgt - wie auch zuvor - pro Kubikmeter Raumluft, pro Quadratdezimeter Oberfläche bzw. pro Gramm Material oder Haustaub.

Bei der Analyse der von Schimmelpilzen abgegebenen Stoffwechselprodukte geht es bei den MVOC, den flüchtigen organischen Verbindungen, um Nanogramm pro Kubikmeter Luft und bei den Pilzgiften, den Mykotoxinen, um Mikrogramm pro Kilogramm Staub.

Die Untersuchung der MVOC in der Luft ist nach unserer Eindrücken mit vielen Unsicherheiten und Fehlermöglichkeiten behaftet, deshalb trauen wir uns trotz reichlicher Erfahrung und Überlegung hierzu noch keine verbindlichen baubiologischen Richtwerte zu. Toxinbestimmungen im Hausstaub scheinen schon vielversprechender, auch wenn bisher längst nicht alle Gifte, die Pilze produzieren, nachgewiesen werden können.

Für Hefepilze gilt, ähnlich wie beim Schimmel: Hefepilze sollten in der Luft, auf Oberflächen oder in Hygiene-, Bad-, Küchen- und Lebensmittelbereichen nicht oder kaum nachweisbar sein. Das gilt speziell für pathogene Hefen wie Candida oder Cryptococcus.

Für Bakterien gilt: Die Bakterienzahlen in der Raumluft sollten im Bereich oder unter denen der Außenluft bzw. von unbelasteten Vergleichsräumen liegen. Speziell krankmachende Keimarten, z.B. Pseudomonas, Aktinomyceten oder Koliforme, sollen in Häusern gar nicht oder nur minimal nachweisbar sein, weder in der Luft noch auf Materialien, in Trinkwasser-, Hygiene-, Bad- oder Küchenbereichen. Jedem Hinweis auf eine Bakterienbelastung (hohe Materialfeuchte, Nässeschäden, Hygiene- und Fäkalienprobleme, faulige Gerüche, rezidivierende entzündliche Gesundheitsprobleme...) ist nachzugehen. Bei Schimmelpilzuntersuchungen sollten Bakterien mit einbezogen werden, und umgekehrt, sie kommen oft gemeinsam vor.

Zzum letzten Standardpunkt C 4, hier geht es um Hausstaubmilben, Milbenkot oder -stoffwechselprodukte und andere Allergene wie Pollen, Gräser oder Tierhaare. Hohe Staubmilbenzahlen findet man häufig bei Wärme und Feuchte, speziell in Betten und Polstern (weil sie sich an menschlichen Hautschuppen gütlich tun), oft in Verbindung mit Schimmelpilzen oder unter kritischen Hygienebedingungen. Untersucht wird die Milbenzahl bzw. Exkrementkonzentration und die von Pollen, Gräsern, Tierhaaren... pro Kubikmeter Raumluft, pro Gramm Staub oder im prozentualen Vergleich.

Im Anhang des baubiologischen Standards gibt es noch weitere Faktoren, die es zu beachten gilt, z.B. die Lichtqualität, Beleuchtungsstärke und UV-Strahlung sowie die Leitungswasserqualität und die Begutachtung von Haus- und Holzschädlingen.

Literaturquelle: Mitschrift des Vortrags von Wolfgang Maes anlässlich des VB-Expertenseminars am 17.11.2007 in Fulda-Loheland

Der SBM-2008 wurde inzwischen in englische übersetzt: E_SBM2008_standard.pdf