Baubiologie und Umweltanalytik in Nordbayern

Baubiologie und Umweltanalytik

Gesund bauen und wohnen
Bayreuth, 17.12.2017


Riskante Asbestfasern erkennen

Tausend asbestbedingte Todesfälle pro Jahr

Die Herstellung und der Vertrieb von Asbest sind seit 1995 in Deutschland verboten sind. Dennoch weist Die Statistik der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) das Jahr 2015 über tausend berufsbedingte Todesfälle durch Asbest aus. Beinahe 10.000 Verdachtsfälle wurden bei der Versicherung angezeigt. Bei den berufsbedingten Krebserkrankungen nimmt Asbest als Auslöser mit 72% eine zweifelhafte Spitzenposition ein. Das mittlere Lebensalter lag bei der Anerkennung zwischen 62 und 65 Jahren. Die Berufsgenossenschaft begründet die Zusammenhänge mit der langen Latenzzeit. Zwischen Schädigung am Arbeitsplatz und Ausbruch der Krankheit vergehen im Mittel mehr als 35 Jahre. Die hohe Zahl an Berufskrankheiten führt zu beträchtlichen Ausgaben im Kassenwesen. Grund genug, um den Gesetzgeber zu umfangreichen Gesetzen und Richtlinien zu bewegen.

Arbeiten mit Asbest regelt die Gefahrstoffverordnung in Verbindung mit TRGS 519

Schutzausrüstung für Asbestarbeiten Die übergreifende Regelung für den Umgang mit Asbest bildet die Gefahrstoffverordnung (GefS-toffV). Darunter beschreibt die Verwaltungsvorschrift TRGS 519 detailliert den Umgang mit dem Gefahrstoff Asbest. Bei Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten soll durch technische und organisatorische Maßnahmen die Entstehung und Ausbreitung von Asbeststaub vermieden werden. Die Arbeiten dürfen nur fachlich zugelassene Firmen durchführen und die Arbeitskräfte sind zum Tragen von persönlicher Schutzausrüstung verpflichtet.

Bauteile mit schwach gebundenem Asbest sind nach der Sanierungsdringlichkeit einzustufen

Produkte aus schwach gebundenem Asbest weisen eine Rohdichte von kleiner 1.000 kg/m³ auf. Zu ihren Vertretern zählen Spritzasbest, asbesthaltige Leichtbauplatten, Asbestpappen und Dichtungsschnüre. Die Asbestrichtlinie gibt vor, mit welcher Dringlichkeit die Sanierung erfolgen muss. Diese Richtlinie ordnet sich in die Bauordnung der Länder ein. Hoher Sanierungsbedarf besteht dann, wenn das Produkt unmittelbar in bewohnten Räumen anzutreffen ist, wenn die Oberfläche porös oder beschädigt ist und wenn das Material aus Spritzasbest besteht. Ergibt die Punktewertung in Anhang 1 der Asbestrichtlinie eine Summe von achtzig Punkten und mehr, dann muss die Sanierung unverzüglich erfolgen. Ansonsten ist mittel- oder langfristig eine Neubewertung durchzuführen.

Hoher Sanierungsbedarf bei Gebäudefassaden, aber noch keine gesetzliche Rückbauverpflichtung

Fachleute schätzen, dass achtzig Prozent der seit 1970 verbauten Produkte in Deutschland noch vorhanden sind. Für Produkte aus Asbestzement gilt kein dringlicher Sanierungsbedarf, da Asbest hier in einem fest gebundenen Zustand vorliegt. Werden die Asbestplatten für Fassaden oder Dächer nicht bearbeitet, geht man von einem geringen Abrieb aus. Tatsächlich verrotten die Bauteile mit zunehmender Nutzungsdauer immer mehr. Es besteht somit ein immenser Sanierungsbedarf im Hinblick auf die Forderung der EU, dass Europa im Jahr 2023 asbestfrei sein soll. Möglicherweise wird die EU-Vorgabe auch in Deutschland den Gesetzgeber zum Umdenken bewegen. Die Folge wäre die Verpflichtung zum Rückbau aller asbesthaltigen Bauteile.

Probenahme und Laboranalytik für Asbestfasern

Mikrosaufnahame von Weißasbest Die schnellste und kostengünstigste Analyse erfolgt über den Hausstaub. Mit einem Klebestempel wird an mehreren Stellen im Objekt der Staub aufgenommen. Unter dem Rasterelektronenmikroskop (siehe Foto links) würden auffällige Fasern sichtbar werden. Das Risiko dieser Art der Untersuchung besteht darin, dass bei der Zufallsauswahl von Messpunkten ein Befund übersehen wird. Die Luftprobennahme gestaltet sich aufwändiger, da die Pumpe mindestens acht Stunden lang die Raumluft ansaugen muss. Im Gegensatz dazu erhält man eine Untersuchung, bei welcher der gesamte Raum in die Untersuchung einbezogen wird. Bei der Fragestellung nach Asbest in festgebundenem Zustand, z.B. in Hausfassaden oder in Bodenbelägen, bietet sich die Materialuntersuchung an.

Mögliche Quellen für Asbestfasern

In schwach gebundener Form ist Asbest in folgenden Produkten zu erwarten: als Hitze- und Brandschutz an tragenden Stahl-Elementen, in asbesthaltigen Putzen oder Leichtbauplatten, z.B. in Decken- und Wandplatten, Heizkörpernischen, in Elektroinstallationen, z.B. Nachtspeicheröfen, Heizkesseln, Auskleidungen bei Elektrogeräten wie Toaster, Haartrockner, Bügeleisen. Vinyl-Bodenbeläge vor allem aus den 1960er Jahren (Cushion-Vinyl-Beläge) können eine Asbest-Trägerpappe haben, die zu 90 Prozent aus schwach gebundenem Asbest besteht.
Asbest in festgebundener Form bezeichnet man auch als Asbestzement. Bekannte Produkte sind Dach- oder Wellplatten, Rohre, Kabelkanäle und auch freistehende Formteile wie Blumenkästen und Gartenmöbel. Selbst Sommerrodelbahnen, Tischtennisplatten oder Minigolfbahnen können aus Asbestzement hergestellt sein. Fest gebunden wurde Asbest vor allem in den 1960er Jahren auch in Bodenbelägen verwendet. In Vinyl-Asbest-Fliesen, den sogenannten Floor-Flex- oder Flex-Platten, sind etwa 15 Prozent Asbest enthalten. Hier besteht zusätzlich das Problem, dass schwarzbraune Bitumenkleber, die häufig verwendet wurden, ebenfalls asbesthaltig sein können.

Checkliste für Asbest in Altbauten

Jüngeren Hauskäufern ist die Asbestproblematik oft nicht bekannt, da asbesthaltige Produkte in Deutschland seit zwanzig Jahren nicht mehr hergestellt werden dürfen. Bei der Begutachtung von älteren Immobilien muss die Asbestproblematik im Blickfeld bleiben. Im Zweifel sollten auffällige Proben untersucht werden. Die Laborkosten sind im Vergleich zu späteren Sanierungsmaßnahmen vergleichsweise gering. Eine Checkliste für asbesthaltige Produkte im Altbau stellt Ihnen Umwelt-messtechnik Bayreuth gerne zu Verfügung.

Unsere Leistungen

  • Gutachtenerstellung
  • Probenahme von Asbestfasern
  • Luft-, Staub und Materialproben
  • Sanierungskontrolle

Kontakt

Joachim Weise
Sachkundiger für Asbest nach TRGS 519
Tel. 0921-7412744
info(at)umweltmesstechnik-bayreuth.de

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